Bündnis Sozialticket

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Das Sozialticket ist finanzierbar

Betriebswirtschaftliche Analyse der Einnahme-Kosten-Entwicklung bei der Einführung des Sozialtickets in Nürnberg-Fürth auf der Grundlage der Forderung des „Bündnis Sozialticket“.

von Ludwig Wenk, Sozialforum Nürnberg

1. Vorbemerkung
Die vorliegende Analyse ist eine Antwort auf die betriebswirtschaftlichen Aussagen der Verwaltung der Stadt Nürnberg, die sie im Sozialausschuss vom 13.11.2008 aufgrund des Antrags der Stadtratsgruppe Linke Liste vorgelegt hat. Deshalb bezieht sich das Papier nur auf die betriebswirtschaftlichen Aspekte des Sozialtickets. Darüber hinaus gibt es noch eine Vielzahl wichtiger sozialer, ökologischer und verkehrspolitischer Argumente, auf die ich hier nicht eingehen werde.

2. Grundannahmen
Die betriebswirtschaftlichen Aussagen gehen davon aus, dass

  1. die Einführung des Sozialtickets keinen Mehrbedarf an Bahnen und Bussen nach sich zieht, sondern mit den bereits eingesetzten Kapazitäten bewältigt werden kann (keine Erhöhung der Kosten).
  2. die VAG keinen Verlustausgleich an die anderen Partner im VGN-Verbund zahlen muss.
  3. das Sozialticket 11,23 € im Monat kostet und für die Tarifzonen 100 und 200 (Nürnberg & Fürth) gültig ist.

Jede Veränderung dieser Grundannahmen hat Auswirkungen auf das betriebswirtschaftliche Ergebnis und müsste jeweils neu berechnet werden.

3. Analyse
Nach den Daten der Stadtverwaltung aus dem Sozialausschuss vom 13.11.2008 nutzen 4608 Personen die von der VAG angebotene Monatswertmarke für Nürnberg-Pass-Inhaber in Höhe von 29,10 € im Monat. Daraus ergeben sich folgende Mindereinnahmen pro Person bei Einführung des Sozialtickets.

Nürnberg Pass 2009: 29,90 €  —  Sozialticket: 11,23 €
  —  Mindereinnahmen: 18,67 €

Bei 4608 Personen:Tab1

Die Stadtverwaltung nimmt nun an, dass sich die Nachfrage durch die Einführung des Sozialtickets verdoppelt (4608 Personen x 2 = 9216 Personen).
Dadurch entstehen jedoch keine höheren Kosten, sondern Mehreinnahmen gegenüber der Ausgangssituation.
Denn nach der betriebswirtschaftlichen Deckungsbeitragsrechnung dürfen bei Zusatzangeboten nur die Kosten berücksichtigt werden, die auch durch das Zusatzangebot entstehen.

Nach dieser Berechnung ergeben sich folgende betriebswirtschaftliche Einnahmen durch das Sozialticket:
Tab2

Als Saldo aus Einnahmen und Mindereinnahmen ergeben sich:Tab3

Wie oben ausgeführt, rechnet die VAG nur mit einer Verdoppelung der Nachfrage durch die Einführung des Sozialtickets von bisher 4608 Personen (Nürnberg Pass) auf 9216 Personen (Sozialticket).
Die Zahlen aus Dortmund, wo ein Sozialticket bereits 2008 eingeführt worden ist, jedoch zeigen, dass der Bedarf an einer preisgünstigen Fahrkarte viel höher ist, als von der VAG angenommen wird. Statt vorher 13500 zählten die Dortmunder Stadtwerke nach Einführung des Sozialtickets 35700 feste Kunden.
Wenn die VAG keine zusätzlichen Verluste durch das Sozialticket machen soll, dann müssten 3053 Sozialtickets pro Monat (34283,52 € : 11,23 €) mehr verkauft werden, als von der VAG angenommen wurden.
Die ABO-Zahlen müssten dann von vorher 4608 Personen auf 12269 Personen steigen, was angesichts der Zahlen aus Dortmund machbar ist.

Die Einführung des Sozialtickets ist möglich, wenn die politisch Verantwortlichen in Nürnberg, Fürth und Erlangen es nur wollen!

Bündnis Sozialticket, Juli 2009

V.i.S.d.P.: E. Ramthun, Stadtteilzentrum Desi, Brückenstr. 23, 90419 Nürnberg