Bündnis Sozialticket

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Das „Fürther Modell“ wird den Betroffenen nicht wirklich helfen!

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Leserbrief: Das „Fürther Modell“ wird den Betroffenen nicht wirklich helfen!

Als Teilnehmer an der Podiumsdiskussion über die Einführung eines Sozialtickets in Fürth und als direkt betroffenes Mitglied der Fürther Erwerbsloseninitiative, FEI, muss ich es immerhin als Minimalfortschritt begrüßen, dass sich das gesamte Podium einstimmig zur zwingenden Notwendigkeit eines echten Sozialtickets bekannt hat – 6 Jahre nach der Einführung von Hartz IV und nach 5 Jahren Forderung des Fürther Sozialforums nach einem Sozialticket, sowie 3 Jahre nach der Übergabe von über 13.000 Unterschriften durch das Bündnis Sozialticket. Aber ein Sozialticket gibt es trotzdem nicht, sondern es gibt – vielleicht – das „Fürther Modell“. Nur als „Zwischenlösung“ natürlich, vielleicht auch als (Er-)Lösung vom schlechten Gewissen gegenüber den Betroffenen. Man würde ja gerne ein Sozialticket einführen, aber kann eben leider nicht, denn die ganze Miesere wird durch die unrealistischen Regelsätze verursacht, an denen die Fürther Kommunalpolitik nicht Schuld ist. Dem muss ich wohl zustimmen, aber wir Betroffene müssen uns vorrangig an die Kommunen wenden. Wir sind die Letzten in der Kette und die Letzten beißen die Hunde. Die soziale Umweltverschmutzung Hartz IV muss endlich zugunsten der Betroffenen reformiert werden. Die Kommunen haben die Verpflichtung, für das Wohl ihrer Mitbürger zu sorgen und müssen deswegen politisch unsere Anwälte gegenüber Land und Bund werden. Das entlässt die Verantwortlichen in Fürth aber keinesfalls aus der Forderung, an der baldigen Einführung eines Sozialtickets zu arbeiten, das diesen Namen auch wirklich verdient. Das „Fürther Modell“ tut das jedenfalls nicht.

Sepp Körbl hat dazu gesagt, dass „wir“ zwar die Macht im Stadtrat dazu hätten, aber anders als die Linke und die Grünen verantwortungsvolle Politik machen würden. Für mich klingt das nach dem Hochmut der absoluten Mehrheit und nach einer Verhöhnung aller Betroffenen, einschließlich mir selbst. Denn die anstehenden Fahrpreiserhöhungen, plus weitere 30% bis 2015, machen den ÖPNV ohne ein Sozialticket für mich und meine Familie und alle anderen in der FEI einfach unerschwinglich und, wie ich schon auf dem Podium erklärt habe, hört die Mobilität nicht an der Stadtgrenze auf. Familiäre Verpflichtungen, Arztbesuche, kulturelle Teilhabe, sowie Kinderwünsche enden nur da, wo sie sich erfüllen.

Joachim Schwarz, Fürth, 6. Juni 2011