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„Fürther Modell“ entsetzt das Sozialforum

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Leserbrief: „Fürther Modell“ entsetzt das Sozialforum

Endlich scheint sie richtig angekommen zu sein, die Erkenntnis, dass ein Sozialticket unabdingbare Voraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe darstellt. Alle auf dem Podium, einschließlich Sepp Körbl bejahten die Notwendigkeit eines Sozialtickets. Aber ungenannte VGN-Partner stellen sich gegen die flächendeckende Einführung und so entstünden dann der Stadt immense Ausgleichskosten. Wir wollen jetzt endlich wissen, wer denn da genau für die Einführung ist und welche der Regionalpolitiker dagegen sind. Vielleicht könnte das „outen“ dieser Politiker die Front der „asozialen“ Gegner deutlich bröckeln lassen? Sollten es mehrheitlich „christliche“ Politiker sein? In Fürth unterstützten führende Kirchenmänner die Einführung eines Sozialtickets, z.B.  indem sie als Erstunterzeichner für eine Unterschriftenliste fungierten, die dann im Großraum von 13.000 Menschen unterschrieben wurde. In Nürnberg ergab eine über das Stimmungsbarometer (100 Studenten der Uni Erlangen-Nürnberg befragten dabei 1000 Nürnberger, die Umfrage kann also als durchaus seriös gewertet werden) eine Zustimmung von 87 % für ein Sozialticket (Bericht in den FN). In der Verlegenheit, gerade auch wegen der Abschaffung der Kurzstrecke, einen Ausgleich vorweisen zu wollen (auch wegen entsprechender öffentlicher Ankündigungen) aber gleichzeitig, ohne die Zustimmung im VGN für ein Sozialticket mit leeren Händen dazustehen, knobelten infra-Geschäftsführer Dr. Hans Partheimüller und die Sozialreferentin Elisabeth Reichert das „Fürther Modell“ aus. 5 € zweckgebunden für den Kauf von Fahrkarten, ohne Festlegung auf Zeit-, Einzel- oder Streifenkarten, soll es zukünftig unbürokratisch für Fürthpassbesitzer geben. 5 €, das ist der Betrag, den Ministerin von der Leyen und die SPD-Sozialpolitikerin Schwesig, gezwungen durch ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts, nach tagelangen, dramatischen Verhandlungen als Erhöhung des Regelsatzes voll Stolz der Öffentlichkeit präsentierten. Ein erbärmliches Ergebnis! In Anbetracht dessen erscheinen 5 € nur für Fahrten mit dem ÖPNV nicht schlecht. Die Freude darüber wird deutlich kleiner, wenn man sich die kommenden Preiserhöhungen allein für Fürth vor Augen führt. Und die bestehen zunächst einmal in der Abschaffung der für ganz Fürth geltenden Kurzstreckenzone. Schnell wird deutlich, dass die angedachte Lösung in Anbetracht der kommenden Erhöhungen keine Verbesserung bringt, sondern lediglich die Verschlechterung ein bisschen abmildert. So ergibt sich für eine auf Fürth beschränkte MobiCard eine Preiserhöhung um 24 € von 39,20 €, auf die dann nötige normale MobiCard für 63,90 €. Die Solo Mobi erhöht sich von 35,20 (Kurzstrecke) um 20,70 € auf die normale MobiCard (55,90). Da relativieren sich die 5 € Zuschuss doch deutlich. Auch die Einzelfahrten verteuern sich über einen Zwischenschritt (0,30 € ) um 0,50 € auf 2,10 €. Die inzwischen verkündeten 30% Preiserhöhungen bis 2015 noch nicht eingerechnet! Lediglich die Preiserhöhung von 10 Fahrten im Monat werden aufgefangen! 2 Einzelfahrten kann man mit dem Zuschuss bezahlen! Trotzdem kann man und sollte man eins daraus lernen: Kämpfen lohnt sich. Ohne den Druck des Sozialforums wäre ein Sozialticket überhaupt kein Thema in Fürth. Dann gäbe es nicht mal die 5 €, sondern nur die Preiserhöhungen. Wir werden uns aber mit dem „Fürther Modell“ nicht zufrieden geben und weiter für ein Sozialticket kämpfen und ganz allgemein gegen die Preiserhöhungen im VGN, auch des Klimas wegen!

Stephan Stadlbauer, Fürth, 6. Juni 2011